Altarme des Niederrheins

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Altrheinarme sind  wertvolle Bestandteile dieser Naturlandschaft; sie können in dieser Form durch die heutigen Flußregulierungen nicht mehr neu entstehen. Als Voraussetzung für eine Kausalanalyse von negativen Vegetationsveränderungen fehlten Daten, mit denen die kleinräumigen Prozesse beschrieben werden können. Deshalb war die Einrichtung von Dauertransekten mit hoher Auflösung dringend erforderlich und wurde am Bienener Altrhein vom Autor im Auftrag der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (LÖBF) vorgenommen. Um allgemeingültigere Aussagen über die besondere Stellung der Altrheinvegetation zwischen Still- und Fließgewässer treffen zu können, erfolgte aus eigener Initiative die Anlage zusätzlicher 20 Transekte auch an Reeser, Grietherorter und Xantener Altrhein.

Im Rahmen des Naturschutzes wird angestrebt, den früheren, intakten Zustand der Rheinaue näherungsweise wieder zu erreichen. Ein besonderer Grund für die Dauerbeobachtung ist deshalb das Monitoring von Biotopmanagment als Erfolgskontrolle. So wird oft die Ufervegetation durch Abzäunungen gegen die Beweidung geschützt. Diese am Bienener Altrhein 1990 durchgeführte Maßnahme hatte den günstigen Nebeneffekt, wie in einem großräumigen Freilandexperiment die einsetzende Sekundärsukzession analysieren zu können. Außerdem wird langfristig von Extensivierungsmaßnahmen eine Verringerung des Nährstoffeintrags der Landwirtschaft erwartet.

Die hier kurz vorgestellte Arbeit will für den Untersuchungsbereich erstmalig durch Dauertransekt-Untersuchungen neue Analysemethoden aufzeigen, die dem Kontinuum einer Verlandungsabfolge entsprechen, aber auch die Besonderheiten der Altrheinvegetation, nämlich Fluktuationen durch Überschwemmung und wechselnde Nutzung, mit berücksichtigen.

Beispiel der Entwicklung einer Vegetationsabfolge am Bienener Altrhein. Horizontal ist die Entfernung vom Ufer in Meter, vertikal die Artmächtigkeit (Deckung in Prozent) aufgetragen:

Das Transekt beginnt wasserseitig unverändert über den Untersuchungszeitraum mit dem Typhetum angustifoliae, danach folgt ein Acoretum calami. In das im mittleren Bereich 1991 noch gut ausgeprägte Caricetum gracilis konnte 1994 Glyceria maxima eindringen, 1998 aber zeigt sich hier bei starker Trittbelastung und hohem Grundwasserstand eine gestörte Variante mit hohen Anteilen von Poa palustris. Auch im landwärtigen Teil wurde im Laufe des Untersuchungszeitraums das Lolio-Cynosuretum durch eine Basalgesellschaft des Lolio-Potentillion mit Agrostis stolonifera und Poa trivialis abgelöst.

Literatur: Kleikamp, M. (1996): Vegetationsabfolgen an Altarmen des Unteren Niederrheins (Nordrhein-Westfalen). Dissertationes Botanicae 269. J. Cramer, Berlin, Stuttgart. Erhältlich über den Buchhandel oder direkt vom Autor.


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